Zusammenfassung des Buches "Trance from Magic to technology"

Wintersemester 97/98,
J.W. Goethe Universität Frankfurt

Zusammenfassung des Buches
"Trance from Magic to technology" von D. Wier

als Einleitung des selbstorganisierten Studiums
mit dem Thema
"Trance- Einengung der Wahrnehmung... Wozu?"
Veränderte und außergewöhnliche Bewußtseinszustände, im Alltag, in der Kultur und in der Therapie - gestern heute und anderswo".

Übersetzung, Zusammenfassung, Kommentar
von Constanze Maly
MBX, Oktober 1997

Inhaltsverzeichnis:

Teil 1
1.0 Allgemeine Einleitung
1.1 Über den Autor
1.2 Um was es geht
1.3 Modell nach Wier

Teil 2
2.0 Theoretische Grundlagen zur Entstehtung von Trancezuständen
2.1 Dissoziation
2.2 Der Trance-erzeugender Loop
2.3 Trance
2.4 Die "dissoziierte" Trance-Ebene
-Kennzeichen
2.5 Verstärkung eines Trancezustandes
2.6 Tranceforce: Kraft, Stärke
2.7 Trance-Logik

Teil 3:
3.0 Die verschiedenen Arten von Trancezuständen
3.1Gewöhnliche, alltägliche Trancezustände
-Einige Gedanken zwischendurch
3.2 Die Hypnotische Trance
3.3 Die religiöse Trance
3.4 Suchtartige Trancezustände,
-Bsp: Fernsehen
-Bsp: Arbeit
3.5 Yogische Trance, Spirituelle Trancezustände
3.6 Centrische Trance
3.7 Pathologische Trancezustände

Teil 4 :
4.0 Trancezustände und Kollektiv
4.1 Soziale und politische Aspekte
Kommentar
4.2 Die organisatorische Bedeutung

Teil 5
5.0 Beispiele
5.1 Trommelspielen
5.2 Weitere Beispiele

Teil 6
Ergänzende und weiterführende Literatur

Teil 1

1.0 Allgemeine Einleitung

1.1 Über den Autor

" Trance from magic to technology", wurde von Dennis Wier, einem Amerikaner, der in der Schweiz lebt geschrieben. Er ist Meditationslehrer, meditiert seit über seit 35 Jahren, und arbeitet zusätzlich als Computerprogrammierer.
Die Computer Abhängigkeit seiner Kollegen und seine eigene Sucht nach Meditation veranlassten ihn nach Gemeinsamkeiten zwischen Hightech, Sucht und Meditation zu suchen Er begann sich mit NLP und Hypnose Technik zu beschäftigen, gründete in der Schweiz ein Institut und schrieb das Buch "Trance from Magic to Technologie", das bis jetzt leider nur in Englisch (und in tschechisch) in den USA,in England und in Tschechien zu erhalten ist.
Ich habe es per Zufall in San Franzisco entdeckt und fand es als Einstieg zum Thema Trance und auch um einen Überblick zu bekommen sehr inspirativ, auch wenn seine Theorien zum Teil sehr abstrakt sind und deswegen nicht so leicht zu verstehen sind. Auf den theoretischen Teil werde ich deswegen auch nicht im Detail eingehen, sondern versuchen die Entstehung von Trancezuständen anhand von Wiers`Beispielen zu erklären.

.

1.2 Um was es geht..

Wier entwirft in seinem Buch ein grundlegendes Modell für die Entstehung und Wirkung von Trancezuständen.Eine theoretische Grundlage ist deswegen so wichtig, weil das die Vorraussetzung ist, die uns wissen läßt, wonach und was wir suchen und was wir meinen, wenn wir von "Trance" sprechen.
Was ist also "Trance"?
Darüber gibt es sehr unterschiedliche wissenschaftlichen Meinungen und Erklärungen-
aus der Psychoanalyse, Medizin, Soziologie, Religion,- aber eine genauere Analyse, die innerliche und äußerliche Geschehnisse analysiert, ordnet und erklärt, die im Trancezustand zum Wirken kommen gibt es nach Wier nicht.

Es ist tatsächlich sehr schwer zufriedenstellende allgemeine Konzepte zur Technik- zu trancetypischen psychischen Vorgänge ect. - zu erhalten.
Die meisten Wissenschaftler beleuchten Trancezustände eher ausschnittsweise ( Somatische Vorgänge, kultureller Hintergrund ect) oder unter einem bestimmten Aspekt (Psychopathologie, Transpersonale Psychologie), oder neigen dazu sie in Kathegorien ( z. B. der Bewußtseinsstufen, Über-, Unter- Bewußtsein) einzuordnen.
Genauere Konstrukte, die allgemein auch auf Vorgänge wie Lernen, Erinnern, Automatisierung anwendbar sind, finden wir in der Literatur zur Neurolinguistische Programmierung und eine ebenfalls sehr "weite" Definition von hypnotischer Trancezuständen gibt es in der Hypnotherapie nach Milton Erickson .
Ob wir dem Modell, das Wier in seinem Buch vorstellt zustimmen oder es ganz oder teilweise verwerfen, ist unsere Sache, und wie hilfreich seine Thesen sind, wird sich im Laufe unserer Studien noch herausstellen.
Bis jetzt wissen wir noch nicht genau, wohin unser Projekt uns führen wird.
Unsere Interessen, Meinungen zum Thema und unsere Erfahrungen damit, sind vermutlich auch sehr unterschiedlich, genauso wie das, was wir in unsere Studien lernen wollen und was wir uns dadurch erhoffen.
Deswegen sehe ich das Buch als einen guten und inspirierenden Ausgangspunkt für uns, über dieses Thema, das in seiner Weitläufigkeit ein Faß ohne Boden ist, miteinander ins Gespräch zu kommen und nachzudenken.

Im allgemeinen wird Trance als Zustand eingeschränkter oder eingeengter Wahrnehmung definiert.
Eine eingeschränkte Wahrnehmung kennzeichnet allerdings fast alle gewöhnlichen Bewußtseinszustände des Menschen, sie ist sogar überlebensnotwendig, denn man würde verrückt werden, müßte man alle Sachen, die auf einen einstürmen -von außen und von innen- gleichzeitig bedenken.
Wier sagt, daß diese Definition sowohl Ursache als auch Folgen der Trancezustände vermischt, denn die eingeschränkte Wahrnehmung ist sowohl Vorraussetzung als auch die Folge von Trancezuständen und das macht ihre Analyse so schwer.
In seinem Buch versucht er daher die Ursachen, die Verstärkungseffekte und dieFolgen getrennt zu analysieren und sie dann auf sehr verschiedene Bewußtseinszustände zu transferieren.(In der Praxis wird es aber trotz Konzept immer schwer sein herauszufinden, was zu welchem Mechanismus gehört)

1.3 Modell nach D. Wier

Ausgangspunkt ist, daß ein eingeschränktes Set, in dem eine Reihe von Gedanken wiederholt werden, der grundlegende Mechanismus für die Entstehung und Aufrechterhaltung von Trancezuständen ist.
Auf diesen Gedankenloop (Wiederholungen) beschränkt sich dabei die Aufmerksamkeit eines Menschen, so daß sie von woanders abgezogen werden. Das hat zur Folge, daß bestimmte cognitive Funktionen eingeschränkt sind oder sich verändern. Den Inhalt des sich wiederholenden Sets an Gedanken nennt er "cognitive Objekte". Sie können auch aus konkreten Wörter, oder Ideen, und Visionen bestehen. Dazu kommen noch die dazugehörigen Gefühle die sich in eben diesen Bildern, aber auch körperlich bemerkbar machen.
Dieser Definition nach befinden wir uns also ziemlich oft in Zuständen, die Wier als Trance bezeichnen würde, denn sie enthält damit nicht nur Bewußtseinszustände, die wir als außergewöhnlich bezeichnen (Ekstasen, Meditation, Drogeninduziete Erfahrungen ect ), sondern auch Zustände, die uns befähigen z. B. Vokabeln zu lernen und zu merken, oder uns vom Fernseher oder vom Bier im Kühlschrank "hypnotisieren "zu lassen.
Auch Ängste vor engen Räumen, leeren Plätzen, angeblichen Verfolgern, angeschalteten Herdplatten fallen, damit unter diese Definition, genauso wie die Hemmung nackt auf die Straße zu rennen.

Damit ist die eigene Sozialisation bereits eine Art "Trance", und die tranceerzeugenden Gedankenkreise bestehen dann in "Du darfst nicht.., Du mußt.., Das gehört sich so.., das ist vernünftig.., das ist logisch....", mit denen ein jeder von uns aufgewachsen ist und die uns in Form eines Konsens über das, was Realität, "richtiges" Verhalten, und Denken ist, das Leben in der Gemeinschaft überhaupt ermöglichen.
Die ungefilterte Wirklichkeit würde für den Menschen Chaos bedeuten, die uneingeschränkte Vielfalt, alle Möglichkeiten, die offenstehen... Es wäre ihm ein riesen Energieaufwand, oder sogar unmöglich sich allem gleichzeitig bewußt zu sein, alles zu verstehen und auch noch zu wählen, von dem was auf ihn eindringt, deswegen muß der Mensch schon vorher aussortieren, um nicht in Angst und Panik zu geraten.

Eine eingeschränkte Wahrnehmung zu haben, scheint damit essentiell für den Menschen zu sein, geradezu typisch, da einfach menschlich, denn man oder frau ist nun mal nicht gleichzeitig Millionär und Obdachloser, oder hat das Bewußtsein einer Katze oder einer Stubenfliege, unsere Existenz an sich ist ja schon ist räumlich und zeitlich begrenzt. Normalerweise.. es gibt dann z. B die Schamanen die diese Grenzen bewußt auflösen, das Bewußtsein anderer Existenzen annehmen. Was den Schamanen dabei vom Schizophrenen unterscheidet ist, daß er dies bewußt tut, geschützt und kontrolliert durch bestimmte Rituale, so daß sich diese andere Welt und die damit verbundenen Wahrnehmungen idealerweise nicht mit seinem Wachbewußtsein vermischen. Sie tauchen nicht gegen seinen Willen auf und dringen nicht unkontrolliert dort hinein. Seine Kunst ist die Fähigkeit sein Selbst zu diesem Zwecke aufzulösen und es anschließend wieder herzustellen. Was nicht heißt, daß diese Erfahrungen nicht seine Handlungen beeinflussen würden.Er hat die Fähigkeit sie zu integrieren und konstruktiv anzuwenden.Daher hat er auch diese besondere Stellung in seinem Volk.

Trancezustände unterteilt unsere Aufmerksamkeit in Bewußt und Unbewußt, damit sparen wir Energie, die wir anderweitig nützen können.
Nach Wier ist Trance eine bestimmte Art der Dissoziation: Etwas, was wir automatisch machen und uns daher nicht bewußt ist, wie z. B. zu gehen, Autozufahren, den Schlüssel zu verlegen ...
Trancezustände erlauben uns unsere Aufmerksamkeit zu konzentrieren, und viele wunderbare Dinge zu kreieren oder zu machen, aber andererseits verhindern sie so auch eine breite Aufmerksamkeit und vereiteln uns die Wahl. Nach Wier sind Trancezustände in unserem Leben normal, wir nehmen sie nur nicht als solche wahr, nur wenn sie uns besondere Freude (beim Tanzen, Musikhören, nachdenken...) oder Probleme bereiten ( Zerstreutheit, Suchtverhalten, unnötig einseitige schlechte "Filme"). Andererseits sollte uns diese Definition dazu anregen Trancezustände nicht mehr als etwas Ungewöhnliches zu betrachten, wozu wir lediglich Hexen, Hypnose, Stammestänze, Schamanismus,assoziiern, sondern auch all die anderen unserer Bewußtseinszustände der Menschen unter diesem Aspekt zu durchleuchten.

Es geht Wier nicht darum trancelos zu leben, das schaffen vielleicht nur einige Yogis, sondern darum unsere Trancezustände bewußt selbst zu wählen und wenn notwendig unsereTechniken zu verbessern, damit wir einerseits ihr Potential erhöhen können, andererseits ihnen nicht machtlos ausgeliefert sind.
Damit stehen wir im Hier und Jetzt:
Trancezustände sind also an sich weder etwas völlig Ungewöhnliches oder "Abgedrehtes", nicht von sich aus gut oder schlecht, sondern normal und alltäglich. Sie begegnen uns überall, wenn wir wir wissen wonach wir suchen und aufmerksam sind.
Nach Wier geht es in erster Linie zuerst einmal darum, daß wir aus unseren schädlichen, unerwünschten meist alltäglichen Trancezuständen herauskommen, als daß wir Neue in uns und anderen erzeugen.

Danach können wir uns also überlegen, unter welchen Umständen wir wilde Technoparties gut finden und wann sie uns außer Kontrolle geraten und wir danach süchtig werden, egal ob nach der Musik, nach den Drogen oder dem Tanzen,
wir können entscheiden, ob wie weiterhin die Umwelt zerstören wollen oder ihrer bewußt werden wollen, ob wir bestimmte Verhältnisse tolerieren wollen oder nicht, ob wir weiterhin nur bis an die Grenzen unseres eingeschränkten Ich ´s denken wollen oder nicht (das heißt nicht daß man ständig an die Begrenztheit unseres Lebens und an den Tod und darüber hinaus Tod muß, aber vielleicht daran daß wir damit anderes Leben zerstören nach uns und parallel zu uns.)
Wir sollten zumindest dazu fähig sein, uns aussuchen zu können, von wem wir uns hypnotisieren lassen, von welcher Werbung, von welcher Zeitung, von welcher Droge, von welchem Glauben, von welchen Politikern, von welchen Popsongs und von welchen Stars.

Damit wir aus all diesen Trancezuständen, die unsere Wahrnehmung und damit unseren Verstand, unser Denken, unser Mitgefühl , unsere Verantwortung für uns und andere beeinflussen, wählen können, ist es wichtig, daß wir uns ihrer erst einmal bewußt werden und dazu brauchen wir eine Theorie oder ein Modell, das uns hilft Entstehung und Verstärkung von diesen Zuständen zu verstehen.

Natürlich konnte manch einer jetzt sagen, daß es absurd und wenig hilfreich ist, den Rahmen des Themas soweit zustecken.
Aber warum sollte man der Versuchung widerstehen, ein Modell, was hilft, die so klassische Trance eines Mediums oder eines Hypnotisierten zu analysieren, auch auf andere normalere Bewußtseinszustände zu übertragen, die ebenfalls tranceartige Merkmale, wie eingeschränkte Wahrnehmung, Denken, Willen besitzen. Ich finde es jedenfalls interessant, auch etwas über Theorie und Philosophie bezüglich unseres Bewußtseins nachzudenken, bevor wir uns die einzelnen Teilgebiete näher angucken.(vgl. Resch: Veränderte Bewußtseinszustände 1990)

Teil 2

2.0 Theoretische Grundlagen zur Entstehung von Trancezuständen

2.1Dissoziation-Spaltung

Dissoziation ist ein psychischer Vorgang und bedeutet, daß bestimmte geistige Prozesse vom Hauptkörper des Bewußtseins abgesplittet werden, die sich dann unterschiedlich stark verselbständigen. (Hilgard 1977)
Wier erwähnt drei funktional verschiedene Typen der Dissoziation: Abstraktion,"autonomous Multiprocessing", und Trance.
Die Dissoziation ist ein Mechanismus, der den Denkprozeß aufteilt, in eine dominante und eine latente unbewußte Gedanken-Sequenz.
Wenn beide zur gleichen Zeit weiterlaufen nennt man das einen parallelen Verlauf (Parallel processing). Die latente Sequenz läuft dabei irgendwann automatisch ab. Multiple parallele Informationsverläufe, bewußt oder unbewußt, scheinen unser erfassendes Denken, die Affekte und unser Benehmen grundlegend zu beeinflussen.
Der Unterschied zwischen der dominanten und der latenten Denksequenzen ist , das innerhalb des latenten Verlaufs manche erfassenden Denkfunktionen sich verändern. Sie können außer Gefecht gesetzt oder gesteigert werden.
Abstraktion ist ebenfalls eine Dissoziation und für den Menschen die grundlegende Fähigkeit um zu lernen.
Allgemein scheinen das Abspalten in eine latenten Sequenzen eine wirksame Art zu sein mehr (Speicher)Energie innerhalb unseres Gehirn einzusparen verglichen mit den dominanten bewußten Gedankenabfolgen.
Da diese latenten Gedankenverläufe unbewußt sind, haben bestimmte kognitive Fähigkeiten , z. B. kritisches Denken keinen Zugriff auf sie. Trotzdem aber sind dazugehörige oder "benachbarte" Gedanken und Gefühle sie gespeichert und wieder abrufbar. Sie bestehen aus Reaktionsabläufen ähnlich wie bei dem Spiel, in dem Dominosteine sich nacheinander zum Umfallen bringen.
Jeder kennt die Situation, in der ein Wort,(ein Geruch, ein Geräusch oder eine Szene) einen bestimmten "Film" vor unserem geistigen Auge ablaufen läßt.
Wier, der Computerspezialist, vergleicht diesen Vorgang auch mit einer Linked List in einem Computersystem: Ein Gedanke kann also so mit verschiedenen Gruppen an Gedanken assoziativ verbunden sein. Er zählt dazu auch Gefühle, Bilder ect , alles was ein Gedanke in uns hervorrufen kann. So entstehen Gedanken- Gefühlsketten , die diese "inneren Filme" verursachen.

2.2 Trance erzeugender Loop (Trance generating loop-TGL)

Gedanken, Gefühle, die assoziativ miteinander verbunden sind, formen sich zu einem Pattern.
Sind Anfang und Ende des Patterns gleich oder verbunden, entsteht daraus ein Kreislauf, der eine Disssoziation hervorruft, die nach Wier typisch und grundlegend für Trancezustände ist.
Der Hypnotiseur wiederholt die gleichen Formeln, der Schamane wiederholt einen monotonen Beat. Der Alkoholiker drinkt Einen nach dem Anderen...
All diese sich wiederholenden Loops führen zu dieser bestimmten Art von Dissoziation, die charakteristisch für Trancezustände ist.
Die Denksequenzen innerhalb dieses Loops beeinhalten alle Arten des Denkens, die mit dem selben Gedanken anfangen und enden. Das geschieht nicht nur in der Hypnose, sondern beispielsweise auch wenn sich alles um bestimmte Gedanken dreht, z. b wenn wir die Lösung eines Problems suchen oder uns auf ein bestimmtes Thema konzentrieren.

2.3 Trance

Nehmen wir an, wir "stehen" am Ende der "ersten " Wiederholungen, der durch Assoziationen verbundenen Gedankenkette (und dazugehörigen Gefühle) .
Es beginnt eine neue Runde, aber nach Wier bleibt ein Rest an Bewußtheit von den vorhergehenden Runden latent im Bewußtsein zurück.
So ensteht ein, sich mit jedem Loop aufsummierendes, Restbewußtsein, aus dieser sich wiederholenden Assoziationskette heraus, die diesen sich selbst erhaltenden Kreislauf in Schwung gebracht haben .
Ein Gedanke innerhalb dieser Kette, besitzt also die Aufmerksamkeit, die auf ihm innerhalb des aktuellen Loops gerade ruht, plus zusätzlich der restlichen Aufmerksamkeit der vorhergehenden Runden, die mit jeder Runde mehr ins Unbewußte abrutscht.
Dieses sich aufsummierende Restbewußtheit nennt Wier den dissozierten Teil eines immer wieder gedachten und gefühlten Gedankens, und für alle Gedanken, die innerhalb eines Loops miteinander verbunden sind, nennt er diese (sich verselbständigenden) Restaufmerksamkeit oder darunterliegende Bewußtheit, die dissoziierte Trance Ebene.

2.4 Die Dissoziierte Trance-Ebene (Dissociated Trance Plane)

Die dissoziierte Tranceebene verursacht nach Wier das subjektive Erlebnis des veränderten Bewußtseinszustand, den wir Trance nennen.
Wenn ein Trancezustand bereits zu existieren begonnen hat, kann es vorkommen, daß dieser Kreislauf modifiziert wird, indem einzelne Elemente in ihm ausgetauscht werden.
Damit verändert sich die subjektive Wahrnehmung der dissozierten Ebene. Wenn aber zuviele Elemente sich verändern, kann diese Trance- Ebene zerstört werden, denn dann wird sie uns bewußt. Somit ist der Trancezustand beendet. Durch geschickte Manipulation kann sich auch die Kraft der Dissozierten Ebene verstärken, z. B. zu Hallizinationen führen, was nach Wier nicht unbedingt ein Fortschritt sein muß.
Die Ausmaße der dissozierten Ebene können soweit gehen, daß sie bestimmte Körper und Geistesfunktionen verändern oder ausschalten, so daß dadurchdie bewußte Wahrnehmung auf und innerhalb der dissozierten Ebene vermindert oder beeinflußt wird.
Manchmal ist auf dieser Ebene das Körper- und Zeitbewußtsein soweit außer Gefecht gesetzt, daß bereits verstorbene Personen wahrgenommen werden können.
Die Dissozierte Trance Ebene ist sehr flexibel und kann sich leicht verändern. Man wird sich ihrer Entstehung meist erst im nachhinein bewußt, denn indem sie in unser Bewußtsein dringt, hat sie bereits zu existieren aufgehört.

Für die Dissoziation muß genug latente oder unbewußte "Bewußtseinsenergie" in Form von Assoziationen vorhanden sein, die diese sozusagen "füttert", mit Energie versorgt. Sonst verdünnisiert oder verschwindet ein "Gedankenfaden" . Je langsamer Gedankenketten verschwinden oderje mehr Spuren hinterlassen werden, desto leichter bleibt ein Trancezustand erhalten, denn damit reißt die Kette der Assoziationen nicht so leicht ab.

Von Bedeutung ist auch die Geschwindigkeit, des trance-erzeugenden Loops: wenn sie hoch ist, (so daß das Mantra, die Gedanken, die Trommelschläge, sich schnell wiederholen), kommt die dissoziierte Ebene mehr zur Wirkung als wenn der Loop sehr langsam ist.
Wenn man also wenige Dinge schnell macht, kann man eher einen Trancezustand gelangen, als wenn man viele unterschiedliche Dinge langsam tut.
Wichtig sind auch noch die Anzahl der Wiederholungen, je mehr desto leichter entsteht ein Trancezustand und desto stärker wirkt sie sich aus.
Schließlich ist auch noch die Länge des Patterns von Bedeutung: Je kürzer es ist, je weniger Elemente es enthält, desto schneller wiederholt es sich und desto leichter verändert sich das Bewußtsein.

2.4 Kennzeichen der dissozierten Tranceebene

Aufgrund der Energieeinsparung können durch die dissoziierten Tranceebenen intellektuelle Prozesse, wie kritisches Denken, Einschätzung, genaue Erinnerungen, die Fähigkeit Entscheidungen zu treffen beeinträchtigt sein .
Dazu ist das Körperbewußtsein reduziert ,so daß Schmerzunempfindlichkeit auftreten kann. Die "Selbstbeobachtung" ist dabei erhöht. Halluzinationen können auftreten.
Deshalb ist es auch schwer herauszufinden, wann die Disssoziation begonnen hat, denn die rationellen Vorraussetzungen dafür sind in diesem Moment außer Gefecht gesetzt. Um sich selbst zu beobachten, muß man schon dissoziiert sein.

Es ist fast unmöglich zu sagen, wann man, während des Musikhörens, angefangen hat, an etwas anderes zu denken, mit den Gedanken abzuschweifen, so daß die Musik nicht mehr bewußt wahrgenommen wurde, meistens fällt es einem beim nächsten "Break"erst auf, aber damit ist der "Film" schon beeendet und ein Neuer kann anfangen.

Normalerweise kann die dissoziierte Trance Ebene leicht unterbrochen werden .
Wenn man anfängt seine kognitiven Denkfunktionen einzusetzen, verschwindet ein Trancezustand leicht wieder.Damit er stabil bleibt, braucht er einen zweiten Loop, der aus Elementen des ersten Loops und Elementen der dissoziierten Ebene besteht.

2.5 Konstruktive Trance-erzeugende Loops - oder wie ein Trancezustand
verstärkt wird..

Die Bedingungen unter denen sich die dissoziierte Trance Ebenen potentieren können, heißen Trigger. (wörtlich: ansteuern , anstoßen , auslösen)
Dies passiert indem z. B.die Aufmerksamkeit auf irgendeinen Teil im tranceerzeugenden Loops gelenkt wird (ein bestimmtes Wort, ein Trommelwirbel...)so daß dieser in die dissoziierte Ebene aufgenommen wird. Dadurch entsteht ,eine variierte dissoziierte Ebene.
Gleichzeitig verändert sich damit der zugrundeliegende tranceerzeugende Loop: eine Ableitung des ersten Erzeugerloops ist entstanden.

2.6 Tranceforce

Je leichter eine disssozierte Trance Ebene aufrechterhalten werden kann, desto tiefer ist der Trancezustand und desto größer ist die Stärke oder die Kraft des Trancezustandes.
Die "Tranceforce" erzeugt nach Wier die charakteristischen und typischen Wahrnehmungen und Erfahrungen der sehr tiefen Trancezuständen: das Unheimliche, das Verrückte, dieses Gefühl in einer anderen Welt zu sein, in einer anderen Dimensionen, also das, was traditionell mit "Trance" assoziiert wird: Halluzinationen, Wahn, Out of control... ect
Nach Wier ist die "Tranceforce" keine Kraft oder Energie im physikalischen Sinne, sondern sie ist lediglich das Ergebnis einer stabilen dissoziiertenTranceebene. Zusätzlich ist sie entweder scharf umrissen und sich in die Tiefe hinein verlängernd wie in der Konzentration, oder sie ist eher breit, wie z. B. nach langen Jahren der Meditation.
Starke Trancekräfte werden geschaffen, wenn sekundäre, abgeleitete Erzeugerloops entstehen. Sie sind in tiefen hypnotischen Zuständen, bei Sucht, oder in fortgeschrittenen yogischen Zuständen
Dadurch werden die dissoziierten Ebenen wiederum potentiert.
Nach Wier ist es dieser potentierende Effekt, der uns Geister wahrnehmen läßt, Warzen zum verschwinden bringt, und Gedanken so verstärkt, daß sie andere beeinflussen können.
Woher diese unbekannte Kraft kommt kann er jedoch nicht erklären.

Er vermutet irgendwelche unbekannten chemischen , elektrischen oder magnetischen Systeme oder proijezierte Bioenergie. Das subjektive Erleben dieser veränderten Systeme und Abläufe im Körper ( Körpereigene Stoffe , Drogen ect..) könnten Ursache dieser verrücten Wahrnehmungen sein.
Es ist auch deswegen schwierig zu messen und herauszufinden, was sich im Körper dabei genau verändert, da es wenig Möglichkeiten gibt, Menschen während eines tiefen Trancezustandes zu untersuchen. Aufgrund fehlender Maßstäbe und fehlender gut kontrollierter Trancezustände ist die Natur und die Charakteristiken der Trancekraft bis jetzt nur schlecht zu analysieren. (Ausnahme bei der Meditation, wo zumindest körperliche Vorgänge untersucht werden konnten)
Das wird auch weiterhin der Knackpunkt bleiben, daß es (noch )nicht genug überzeugenden Methoden gibt, das psychische Geschehen verschiedener Trancezustände zu untersuchen.

Charakteristisch für die Trance Kraft ist, daß sie danach strebt mit anderen Trancekräfte in anderen Körpern oder Bereichen in Verbindung zu treten, Sympathie zu erwerben, Einfluß zu nehmen. Es ist die Trancestärke, die sympathetische und oder magische Effekte hervorrufen kann und in die gleiche Schwingung zu versetzen vermag.

Im Deutschen gibt es dazu einen netten Wortschatz: Von der"gleichen Wellenlänge",im zwischenmenschlichen Bereich bis zu "Verzaubert", "entzückt", "inspiriert"= spirit , "enthusiastisch" = theos = Gott, "begeistert" = Geist, "Besessenheit" Gefühle die ausgelöst werden können durch Personen, Ideen, Kunst, Musik. Das ist wie ein Feuer, das sich im Herzen der Menschen entzündet.
Auch eine gelungene Kommunikation, eine anregende Geschichte, oder ein mitreißender Redner wirken durch ihre Trancekraft, die uns so in die Welt des Anderen (ent)führen.
(vgl "Therapie in Trance")

Empfindsame und "tranceerfahrene" Menschen merken diese Veränderungen der Kräfte, innerhalb ihrer ruhigen dissoziierten Ebenen. (z. B.Empathe in der Psychoanalyse )
Ein erfahrener Yogi ist sich solcher solch subtiler Veränderungen seiner Tranceforce bewußt.
Es ist, als drängen Ideen und Träume in sein Bewußtsein ein, die er an sich selbst wahrnimmt aber als von außen kommend realisiert. (Bsp. Gegenübertragung in der Psychoanalyse)
Generell wirkt die Kraft der dissoziierten Tranceebenen sowohl wie ein erweitertes Sinnesorgan, als auch wie ein zusätzliches Handlungsinstrument.
Wier sagt, daß all die Hexen, Magier, Schamanen, Yogies hoffen durch ihre viellerlei Übungen, die magische Formel, den effektivsten Weg zu finden, um "saubere", stabile veränderte Bewußtseinszustände zu schaffen. Sie wollen mit der Zeit stabile dissoziierte Zustände entwickeln, die Fähigkeit, sie bewußt zu kontrollieren und zu beeinflussen und damit ihre Trance Kraft zu vergrößern, die ihnen ermöglicht, sowohl nach innen als auch nach außen zu schauen.
Dies ist eine Sache der Zeit und der persönlichen Energie.
Ungeeigneter Gebrauch oder die falsche Handhabung von Trancezuständen führt nach Wier leicht zu Symptomen pathologischen Benehmens einschließlich Süchten und Halluzinationen. ( Unkontrollieres Eindringen in das Wachbewußtsein)
Nach Wier könnte die Tatsache, daß der Verstand, der unseren normalen Wachbewußtseinszustand regiert oder verursacht, in der Trance außer Gefecht gesetzt wird, zusammen mit lebhaften Halluzinationen, die Ursache für die Todes und Wiedergeburts Symbole in der schamanischen Initiation und in voll manifestierten schamanischen Trance sein.( Zerfall des Selbst,vgl Kohut )

2.7 Trancelogik

Wier bezieht sich hier auf Orne, der Trancelogic 1959 definierte als eine Fähigkeit physikalische Wahrnehmungen mit Halluzinationen zu mischen .
Bezogen auf das Modell im Buch heißt das:
Sobald der Inhalt des Trance erzeugenden Loops "gelernt " ist, tritt die Disssoziation auf, so daß die Energie, die den erzeugenden, jetzt latenten Loop erhalten hat, substantiell niedriger wird. Dies bedeutet eine Umstrukturierung der Energie innerhalb der cognitiven Fähigkeiten Am besten zu erkennen ist die Trancelogik in tiefer Trance:
Die Folgen der veränderten Energiebedürfnisse können sein:

-Das Fähigkeit zu kritischem Denken ist vermindert oder verschwindet,
(vgl. Träume: Es gibt kein Nein, Unvereinbares existiert widerspruchslos nebeneinander, Zeitlosigkeit)

-Eine Veränderung in der Körperwahrnehmung tritt ein, betrifft sowohl innere wie äußere
Abläufe
( vgl:Träume: Flüge, Schweregefühl, Lähmung..)

-Zunahme des Primärprozeßhaftes Denken (Denken in Bildern und Symbolen) und der Neigung Wörter und Silben wörtlich oder buchstäblich zu verstehen.
( Traum: Verschiebung, Verdichtung auf Gegenstände, Peraonen, in Form von Metaphern, Symbole, Gleichnisse)

-Hypermesie oder die wahrnehmbar erhöhte Wiederkehr von Erinnerungen,

- Verminderter Wille, Willenlosigkeit
(Es ist sehr schwer bewußt auf seinen Traum Einfluß zu nehmen, ihn bewußt zu lenken und zu gestalten , außer im Klartraum vgl.Resch)

-Belebung des Augenfeldes oder Halluzinationen

- Fixierte Aufmerksamkeit, der Augen,( z. B. sog. "Goas-g`schau" im Bayrischen)

-Nach innen gerichtete Aufmerksamkeit, Involviertheit innere Prozesse , in Kontakt mit dem
eigenen Unbewußten,

Wenn irgendwelche der genannten Charakteristiken der Trancelogik an einem Menschen zu beobachten sind, so ist zu vermuten, daß es sich dabei um die Existenz einen Trancezustandes handeln könnte. Um mehr Eigenschaften zu entdecken und den Trancezustand zu analysieren, ist es dann notwendig den zugrundeliegenden Loop zu finden.

Hiermit will ich den theoretischen Teil vorerst abschließen, da das bisher Gesagte für unsere Zwecke ausreichend ist. In dem Buch führt Wier sein Modell allerdings viel differenzierter und ausführlicher aus. Wer noch tiefer in die Theorie eindringen will, kann sich dort das genaueres systemanalytische Konzept und erklärende, illustrierende Zeichnungen zu Gemüte führen.

Teil 3

3.0 Verschiedene Arten von Trancezuständen

3.1Gewöhnliche Trancezustände

Nach Wier sind Trancezustände viel verbreiteter als man im Allgemeinen annehmen würde.
Neben traditionell als Trance bezeichneten Zuständen der Schamanen, Hellseher, Zauberer, Heilern ect zählt er dazu auch Aktivitäten wie Fernsehen, Tagträumen, Computerspielen, programmieren, Sportarten wie Schwimmen, Laufen,...Dabei spricht man auch von der alltäglichen Trance.
In vielen zwischenmenschlichen Beziehungen sieht er tranceartige Qualitäten und Merkmale in Liebesbeziehungen, Beziehungen zu charismatischen Leuten, zu einem Führer, einem Guru oder zu Gottheiten, Religionen, in der Werbung, in Verkaufsgesprächen, bei Massenveranstaltungen, beim Fußballspiel.
(Vgl. Grinder, Bandler: Therapie in Trance: Hypnose nach Milton Erickson)

Bei Verliebtheit werden manche Menschen geradezu unzurechnungsfähig, sie leiden unter einer stark einseitiger Wahrnehmung, alles am Anderen wird dazu benutzt diesen Kick zu steigern, zu genießen, die Beteiligten gucken sich händchenhaltend in die Augen, sie freuen sich auf das nächste Zusammentreffen....
Dabei produziert der Körper eine Riesenmenge an glücklich und wach machenden Drogen unter deren Einfluß wir Sachen machen, Leistungen vollbringen, deren wir Zustandekommen wir uns hinterher nicht mehr erklären können.
Wir behandeln andere Menschen schlecht, die beste Freundin, Freund, verletzen den/die Verflossene(n), oder den Lebenspartner. Wir liegen den ganzen Tag im Bett, oder treiben es an Orten und in Situationen, die zu diesem Zwecke beileibe nicht gedacht sind. Deswegen sind auch Liebesszenen im Fernsehen oft so peinlich, weil es schwer ist einerseits, diesen außergewöhnlichen Bewußtseinszustand filmisch rüber zu bringen und andererseits sich als Zuschauer darauf einzu lassen, wenn man völlig unbeteiligt vor dem Fernseher sitzt.
Ausnahme dafür sind pornographische Filme, deren hypnotisches Potential gänzlichst auf die Erwartungshaltung des Konsumenten zugeschnitten ist. Deswegen wiederholt sich da auch (fast)immer das Gleiche, was für den "Unbeteiligten"schnell langweilig wird, für den Beteiligten aber leicht zur Sucht werden kann.

Damit kommen wir zum menschlichen Suchtverhalten. Dem zugrunde liegt ebenfalls eine starke Einengung der Wahrnehmung mit tranceartigen Kennzeichen.
Zwanghafte Verhaltensweisen, Phobien, diverse Ängste, also Zustände, die wir als neurotische oder psychotische Krankheiten ansehen würden, fallen danach ebenfalls in die Kathegorie eskalierter, schädigender Trancezustände.
Nach Wier liegt Süchten eine pathologische Trance zugrunde, ein Teufelskreis, der dazu dient Schmerz zu kontrolieren oder zu mildern und außer Kontrolle gerät. (Genaueres dazu in 3.4)

Einige Gedanken zwischendurch

Wenn wir überlegen wie sehr intensive Gefühle, wie Eifersucht, Panik abgrundtiefer Haß, Liebe, Leidenschaft,Massen hysterie die Menschen in Rage versetzt, zu was für irrsinnigen Aktionen Menschen beispielsweise in Kriegszuständen usw fähig sind, die hinterher aufkeine vernünftige Art erklärt werden können, erscheint der Verdacht auf einen veränderten Bewußtseinszustandes gar nicht so weit hergeholt.
Oder denken wir an die Schmerzen einer Geburt, oder wozu Menschen nach schlimmsten Verletzungen, abgerissenen Gliedern noch fähig sind. Eine interessante Frage wäre dabei auch welche körpereigenen Drogen an diesen außergewöhnlichen Bewußtseinszuständen beteiligt sind. Wie verändern die biochemischen Prozesse innerhalb des Körpers unseren Bewußtseinszustand unsere Wahrnehmung ? Adrenalin, Serotonin, Dopamin.. Sind sie die Auslöser von Trancezuständen oder die Folge ? Nach Wier helfen Trancezustände Schmerzen zu reduzieren, ob Körperlichen wie in der Hypnose in der Zahnarztpraxis, oder Seelischen, durch Religion, durch Arbeit, oder durch Alkohol.
Werden unsere körpereigene Drogen meist nur während sehr heftiger Trancezuständen, in Situationen in denen es um den psychischen und physischen Tod geht aktiviert, in Nahtoderfahrungen, im Zerfall des Selbst, in Erschöpfungszuständen, durch Hunger und Durst, durch Einnahme von Psychedelika, vor und während des Schlafs, im Träumen...
Welche Rolle spielen dabei äußerliche Faktoren, monotone Musik, Lautstärke, Ruhe, Licht , fesselnde Bücher und mitreißende Redner. Was sieht und erlebt der Mensch dabei ?
Wie real sind Gespräche mit anderen Entitäten, Verstorbenen, Reisen durch Raum und Zeit ? Sind sie Anteile unseres zerfallenen Selbsts, ist das, was wir wahrnehmen das Ergebnis,die Auswirkungen unserer Angst oder der Art und Weise wie unsere Psyche solche Extremsituationen verarbeitet?
Sind die guten und bösen Geister, Gott und der Teufel, Religion eine Ausgeburt der labilen menschlichen Psyche? Entstanden aus unserer Angst vor Tod und Schmerz und unserer Unfähigkeit den Zufall, das Chaos, die Sinnlosigkeit des Lebens zu ertragen.

Können wir alles auf der rationalen, verstandesmäßigen Ebene des Wachbewußtseins erklären oder hindert uns eben dieser Verstand und unsere normale "Konsens"-Trance ( dieser einschränkte Zustand, der so wichtig ist, auf dieser Erde zusammen mit anderen Menschen zu (über)leben) hinter die Kulissen zu gucken.
Wie real sind dann die Dämonen, die die Menschen immer wieder in Trancezuständen getroffen haben, sind sie Symbole für unsere "Filme", für unsere Komplexe, sind sie Teile unseres Selbst, die sich in einer anderen Ebenee gestalthaft manifestieren.

Was ist das Selbst ? Ist das Erkennen des Selbst die "Erleuchtung" , ist es das absolute Bewußtsein, die göttliche Monade, Gott, Nirvana, Satori, das Wesen aller Wirklichkeit, die Ganzheit des Seins, die Einheit? Das fehlen von Gut und Böse, alle Teile sind integriert zu einem Ganzen, das Eine bedingt das Andere. Der Hang des Menschen zu spalten ist auf dieser Ebene nicht mehr notwendig.

Und was ist real, was gilt für welche Bewußtseinsebene? Ein Apfel ist für uns im Hier und jetzt etwas anderes als im veränderten Bewußtseinszustand. Ist ein Geist den wir dort treffen, ist dort real, aber hier nennen wir ihn Einbildung, oder schlechter Film.
Warum wirkt er sich aber so auf uns aus, daß wir von ihm ganz reales Bauchweh bekommen oder Übelkeit, wenn wir ihn nicht ernst nehmen oder mit ihm spaßen. Ist der Geist also doch real Kraft seiner Folgen und Auswirkungen?
Und was ist real ? Wie ernst nehmen wir unsere inneren Stimmen? Warum lassen wir uns von ihnen terrorisieren? Bedeutet Schizophrenie, die Stimmen dieser Selbstanteile nicht mehr von innen kommend wahrzunehmen, sondern getrennt von uns, als von außen kommend.
Wann und Warum gewinnen diese Gedanken, die wir in neuen und alten Religionen personifizieren,oder ihnen einen Namen geben, und die wir uns in der Parapsychologie, und der Psychoanalyse, zu erklären versuchen, soviel Macht über uns Menschen, so daß wir enormes Leisten können, aber auch uns und andere schädigen können.
Wie gehen wir damit um?
Wie nennen wir sie: Gedanken, Intuition, Launen, Depression Manie auf der einen Ebene, böser Geist, der heiliger Geist, die Versuchung , Inspiration, Erscheinung, auf anderen Ebenen. (vgl:J. Decorne: Psychedelischer Neoschamanismus)

Wie wichtig und häufig sind solche Erlebnisse für den Menschen, wie integriert sie der Mensch, kann man diese Fähigkeit des Menschen zu diesen Erlebnissen im positiven Sinne nutzen? Wie wird in unserer Gesellschaft damit umgegangen?
Welche Rolle spielen heute Religion, Esoterik, Drogen im Leben der Menschen und welche Verbindungen gibt es zwischen ihnen?
Welche Rolle spielt Ekstase Trance und Mystik in alten und neuen Jugendkulturen?
Eine größe Rolle spielt die Fähigkeit, "in Trance zu geheh" in anderen und in alten Kulturen?
(vgl. F. Goodman)
Welche Weltbilder und Philosophien resultieren daraus. Was bedeuten ekstatische Rituale unde Feste für das soziale Zusammenleben, für die psychische Gesundheit des Einzelnen.
Was ist der Unterschied zwischen Schizophreni e und einer Heiligen erscheinung, multipler Persönlichkeiten und (ritueller) Besessenheit ?

Gewöhnliche Trancezustände (Fortsetzung)
Es gibt nach Wier eine große Anzahl verschiedener Trancezustände, von leicht, bis stark, von pathologisch, bis bereichernd und kreativ. Denn dadurch, daß man sich auf den Augenblick konzentriert, vergißt was vorher war und was nachher sein wird, oder indem man Aufmerksamkeit von körperlichen Vorgängen, und der Umgebung abzieht, kann kreatives Potential frei werden und neue Wege können sich auftun.
Solche Trancezustände helfen die Wahrnehmung so zu verändern, so daß man sich in andere Menschen besser hineinversetzen kann, das man auf die gleiche Wellenlänge kommt, sich versteht, so daß man Spaß hat, daß man humorvoll über den Dingen stehen kann:
Die Vorraussetzung, um neue Lösungen zu finden, um sich zu konzentrieren, um sich zu verlieben, zu begeistern., um Erfahrungen zu verarbeiten und Erzählungen anderer zu verstehen.
( Bsp: "...Gestern habe ich an der Uni einen Freund getroffen, der hat mir von seinem Urlaub letztes Jahr in Kanada erzählt, wo er im Wald einen Mann getroffen hat, der ihm erzählt hat wie sie früher ....")

Die Sozialisation selbst bringt den Menschen in eine lebenslängliche Trance, sie beginnt mit den Eltern, dann mit den Lehrern in der Schule, in der Arbeit, im Militärdienst.
Mit dem Ergebnis, daß wir uns einem eingebundenen Kreis eingeschränkter, aber sozial und kulturell akzeptabler Verhaltensnormen wiederfinden. Wier meint, ohne diese lebenslangen Trancezustände wäre unser Leben zu chaotisch, wurzellos, vielleicht wären wir uns ständig zu vieler Möglichkeiten bewußt, und das würde uns Angst machen.
Jede Entscheidung, die wir treffen verkleinert unsere Optionen und läßt uns das Leben leichter handhabbar erscheinen.
Das Leben ist für den Menschen einfach zu schwierig, wenn er immer seinen Körper voll bewußt wahrnehmen würden, immer eine perfekte Erinnerungs und Urteilvermögen hätte, und sich aller unbegrenzten Möglichkeiten des Lebensbewußt wäre.
Nach Wier gibt es nur einen graduellen Unterschied zwischen der Trance des passiven Fernzusehens, dem gewöhnlichen rationalen Gedanken und dem rigorosen, wissenschaftlichen Gedanken, zwischen religiosem Eifer, Sucht und dem Geisteszustand eines Massenmörders. Der grundlegende Mechanismus ist überall derselbe, aber verschieden stark und mit unterschiedlichen Inhalten.

2.2 Hypnotische Trance

Sie ist die am meißten erforschte Art von Trance. Einer ihrer berühmtesten Nutzbarmacher war Milton Erickson, der die Hypnotherapie entwickelte. Die Technik des Pacing und Leading von einer reichhaltigen Auswahl von Gedanken zu einem eingeengten innerlichen verarmten Set an Gedanken und Vorstellungen kann enorme Hilfe leisten, aber auch leicht mißbraucht werden, wenn sie nicht zu therapeutischen Zwecke, sondern als Show im Fernsehen verkauft wird, oder indem sie in zwielichtiger Weise von Politikern, religiösen Führern Priestern und Verkäufern angewandt wird, um andere Menschen zu beeinflussen.
Die Technik des Brainwashing und der Propaganda benutzen eine endlose Wiederholung ihres Gedankenguts, was zu Akzeptanz führen kann,gerade wenn dabei heftig emotionale Assoziationen heraufbeschworen werden.
In der Zahnmedizin, in der Geburtshilfe wird ebenfalls mit hypnotische Trance gearbeitet, anstelle von chemischen Betäubungsmitteln.

3.3 Religiöse Trance

In der praktischen Religionsausübung wurden schon immer verschiedene Methoden und Übungen benutzt, um die Menschen in Trancezustände bringen. Gebete, Meditation, Singen,. Tanzen, Kirchenorgeln, Trommeln all das kann Trance induzieren. In besonders tiefen Trancezuständen, konnte es passieren, daß Kranke geheilt wurden, verborgene Geheimnisse erfahren wurden, geistige Kontakt stattfanden mit anderen Menschen, Verstorbenen, Geistern, Dämonen, Engeln, daß Visionen und Eingebungen aufgeschrieben wurden und Wetter beeinflußt oder vorhergesagt wurde.
Zusätzlich schafft die religiöse Trance leicht eine Toleranz für die Mühsal des Lebens. Der Glaube oder die Hoffnung an bestimmte Ideen, Paradigmen, Ideologien, ohne vernünftige Gründe beeinhalten nach Wier oft eine fehlerhafte Beurteilung und Erinnerung, und möglicherweise Halluzinationen, alles charakteristisch für Trancezustände.
Die ständige Wiederholung bestimmter Ideen und die daraus resultierende dissoziierte Trance lassen hinter Glauben und Hoffnung ebenfalls Trancezustände vermuten.Dies verfestigt sich in der Tatsache, daß Glaube und Hoffnung dem Menschen zur Schmerzlinderung dienen.
Wier meint, es würde ihn nicht wundern, wenn sich dahinter eine Art verborgene Depression befindet, die in Form von süchtiger Trance erleichtert werden soll. Meist beinhalten Religionen und Sekten hierarchische Strukturen. Dies beeinhaltet Ehrfurcht, Respekt, Unterwerfung bezogen auf einen Führer oder einen Gott, irgendetwas dem die Macht zugeschrieben wird, die Welt und das Leben zu verbessern.
Süchtige Tranczustände besteht nach Wier in Selbsttäuschung, Selbstverlust und Zerstörung. Charismatische religiöse Führer haben oft sehr starke stabile Trancezustände mit denen sie andere Menschen anziehen und beeinflussen können, so als hätten sie magische Kräfte.
(vgl. Centrische Trance )

3.4 Süchtige Trance, suchtartige Trancezustände

Zu den Trancezuständen, die eine suchtartige Einengung der Wahrnehmung und des Bewußtseins gemein haben, zählen: Drogen-, Zucker-, Schokoladen- Sucht-, Fernseh-Sucht, Arbeits-, Sex-, Liebessucht, Eßstörungen, und bestimmte Angewohnheiten, und Zwänge.
Es ist sehr schwer diesen Menschen von ihrer jedweiligen Sucht abzuhelfen, sie "um -zuprogrammieren", ohne daß sie bald darauf eine Ersatzsucht entwickeln.(Drugswitching)
Zeichen dafür, ist auch die Hinwendung zu quasi-religiöse Institutionen, die zum zwar gesünderern aber trotzdem abhängigmachender Ersatz werden.(Anonyme Alkoholiker)
Vielleicht ist der Kampf gegen Süchte auch deshalb so schwer, weil es den nicht süchtigen Menschen vielleicht überhaupt nicht gibt, oder man gar nicht genau weiß, wie der aussehen soll. Aber genauso kann der Kampf gegen Drogen, auf die dann alles Übel der Welt proijeziert wird, für manche Menchen oder Personengruppen zur Besessenheit werden.
Größeren Schaden an der Menschheit haben dagegen die Religionssüchtigen, dieFanatiker und religiösen Eiferer- in Verbindung mit Gesetz und Waffen angerichtet. (Kreuzzüge, Inquisition, Völkermord in Nordamerika, Sklavenhalterei)
Auch Meditation kann zur Sucht werden. Da es aber einfacher ist auf eine Substanz (oder Lebewesen) Schlechtes zu proijezieren, als auf einen unkonkreten Gedankengang oder unerklärliche Gefühle, ist, liegt der Schwerpunkt der Suchtbekämpfung auf den Drogen, speziell den Drogen der Minderheiten.

Religiöse Begierden sind weniger direkt wahrnehmbar, außerdem sozial akzeptiert, da recht gut integrierbar, nutzbar, und deshalb sogar erwünscht. Hier stellt sich auch die Frage, ob es ein menschliche Bedürfnis gibt nach religiösen Trancezuständen, und welche Bedeutung sie haben für den Einzelnen und für die Gemeinschaft..(vgl. Goodman)
Man könnte noch weiter gehen und die Verwendung von z. B. psychoaktiver Substanzen in den jugendlichen Subkulturen ebenfalls diesem Bedürfnis zuordnen.
Ist dann die sucht nach bestimmten Substanzen , Folge einer entarteten (da entritualisiert!) Form von moderner "Religionsausübung". Ist es dann also das Bedürfnis nach religiöser Trance, das in früherer Zeit ritualisiert befriedigt wurde ( Feste und Riten, die den Jahresablauf und das Leben strukturierten) das heute junge Menschen dazu veranlaßt, sich mit Okkultismus und Satanismus zu beschäftigen, nächtelang durchzutanzen und LSD und XTC zu konsumieren, gefährliche Handlungen zu begehen (Politoxikomanie, U- Bahnsurfen, Autoklauen, Mutproben..), sich schmerzhaften Prozeduren zu unterziehen, (Tatowierungen, Piercings, Branding..) Handelt es sich dabei um moderne Formen der Initiation, die nicht aufgrund der verwendeten Substanzen und der Taten so gefährlich werden können, sondern aufgrund der Tatsache, daß die dahinterstehende Bedürfnisse in der Gesellschafft nicht anerkannt werden und es so keine Möglichkeiten gibt, sie legal auszuüben oder zu integrieren, und deswegen im illegalen unkontrollierten Bereichen befriedigt werden müssen?

Bsp: Die hypnotische Wirkung des Fernsehens
Wier erklärt die Anziehungskraft des Fernsehens folgendermaßen.
Wir schalten mit gelangweilten Interesse den Fernseher an. Dann sehen wir ein Bild hören einen Satz, der anfängt in uns bestimmte Assoziationen hervorzurufen.... Bilder, Erinnerungen, vorallem bestimmte Gefühle.
Wenn uns diese Gefühle angenehm sind, fahren wir fort auf den Bildschirm zu gucken, wir suchen unbewußt nach Wiederholungen dieses Gefühls, nach neuen Triggern, Mechanismen , die in dieselbe Kerbe schlagen und uns weitere Bestätigung und Inspiration liefern.
Der hypnotisierende Loop ist dabei nicht auf dem Bildschirm , wo die Bilder abfolgen, sondern geschieht zwischen den Bildern und unseren Reaktionen im Gehirn, die uns dazu bewegen dieses Erlebnis zu wiederholen. Wünsche und Ideen werden geweckt und warten auf Erfüllung. Wir "fahren" unseren eigenen Film im Kopf, der von den Bildern am Fernseher inspiriert wurde, aber sich verselbständigt hat. Es ist die Dissoziation, die zweite Ebene, die dazu führt, daß wir Spaß am gucken haben, gespannt sind, wie es weitergeht, der Mechanismus, der dazu führt, daß wir weiterhin am Bildschirm kleben bleiben.

Bsp: Arbeitssucht
"Die Person, die stundenlang an einem schwierigen Arbeit verbringen kann, dürfte dazu nur fähig sein, indem sie dies in einem Zustand der Trance tut. Die Freuden an einer engagierten Arbeit kann Gefühle der Zeitlosigkeit schaffen. Repetitive Aufgaben engen die Aufmerksamkeit auf allein das was die Hände tun ein.. In diesem Traumzustand wird die Arbeit verrichtet, aber der Arbeiter ist sich ihrer gar nicht voll bewußt. " (Wier,S. 97)
"Arbeitsabhängige ernten Achtung wegen ihrer Hingabe mit der sie ihrer Pflicht zu arbeiten nachgehen...Arbeitgeber lieben solche Leute, weil diese Hingabe ihren Profit erhöht..
. Die Wahrnehmung konzentriert sich dabei völligst auf die Arbeit und Arbeitsbezogene Dinge. Aktivitäten, die sich nicht darauf beziehen werden als Streß empfunden".
"Trance am Arbeitsplatz macht es leicht Information und Angestellte zu kontrollieren.
Ein Angestellter, der sich nur für die Arbeit vor seiner Nase interessiert und weder weiß, was die anderen tun, und wie sie es tun, wird niemals eine Bedrohung für den Geschäftsinhaber werden und auch keine sozialen und politischen Fragen stellen.." (Wier S. 98)
Auch die Arbeitgeber sind dabei in ihrem eigenen Trance, sie sehen über Umwelt und soziale Schäden, die ihre Geschäftspolitik mit sich bringt, hinweg.
Es wäre ja wohl zu viel des Schmerzes, müßten sie bei jeder Entlassung, sich des Leids, das sie dadurch verursachen voll aussetzen. ( "Sein bestimmt Bewußtsein", Karl Marx )
Künstlerische Inspiration,kreatives Schaffen und Getriebensein, sind ebenfalls sehr heftige Trancezustände. Dies muß nach Wieraber nicht unbedingt ein krankhafter Trancezustand sein, solange es nicht in eine Abhängigkeit ausartet, und solange nach Vollendung des Werkes dieser Drang fürs Erste befriedigt ist .

Es gibt aber auch viele Menschen, die im Schaffen eine für sie überlebenswichtige Ruhe und Ordnung finden und die, würde man sie nicht machen lassen, psychisch krank werden würden. Deswegen wäre es hier interessant neben den Gefahren auch die heilenden Aspekte der künstlerischen Trance näher zu untersuchen.

3.5 Yogische Trance, Spirituelle Trance

Diese Trancezustände werden durch verschiedene tranceerzeugende Loops verursacht
Nach Wier eignen sich natürlich bestimmte Mantras mehr um z. B. Gott zu sehen . Wichtig sind die Assoziationen, die Gefühle, Gedanken, die das Mantra oder der Loop, auf den man sich konzentriert, in einem hervorrufen. Wenn sie inspirierend und motivierend sind, helfen sie ersten, uns zu konzentrieren und es zu bleiben und zweitens schneller zu Dissoziieren.
Wenn jemand sich von einer Bananenschale inspiriert fühlt, so sagt Wier augenzwinkernd, dann wird er nach einer langen Zeit der Konzentration ebenfalls Gott sehen, oder zumindest eine göttliche Bananenschale oder das Göttliche in der Banane.
Er meint, daß die mechanische Natur der Trance unabhängig davon funktioniert ob der erzeugende Loop sich auf Allah, Budda, Erdgeist, Elvis oder Hitler bezieht.

Wenn die Trance begonnen hat, wird der Inhalt jedoch hypnotische Auswirkungen haben, wenn bestimmte Trigger des erzeugenden Loops andere dissoziierte Ebenen schaffen, oder wenn der primäre erzeugende Loop modifiziert wird.
" Unter bestimmten anderen Bedingungen, die wir schon erwähnt haben, werden große dissoziierte Tranceebenen starke oder intensive Trancekräfte assoziieren, die andere tranceerzeugende Loops wirksam werden lassen. Diese konstruktiven Trance erzeugenden Loops werden tatsächlich magisch sein, aber nichts zu tun haben mit dem Inhalt des tranceerzeugenden Loops". (Wier, S. 79)
Bezüglich der Meditation weist Wier darauf hin, wie wichtig es ist, den trance erzeugenden Loop innerhalb sich selbst herzustellen, im eigenen Kopf und Körper, da alle was von außen den Loop induziert, ob die Stimme eines Leiters, ob die Musik , Geräusche ect, möglicherweise hypnotischen Einfluß auf den der sich in meditativer Trance befindet haben kann, so daß daraus leicht eine hypnotische Trance entstehen kann.
Denn dann ist das dissoziierte Ich den von außen kommende Worten ausgeliefert .
So kann jemand der in der hypnotischen Suggestion geübt ist, sowohl dabei helfen bewußte Kontrolle über den Trancezustand zu gewinnen, als auch Schaden anrichten, wenn er dubiose Absichten hat ( oder unerfahren ist) , so daß er die meditierende Person im negativen Sinne beeinflußt.
Wird während der Meditation gesprochen, so wird man entweder gestört und die dissoziierte Ebene bricht ab oder das Gesprochene baut sich darin ein und wird dabei von dem dissoziierten Ich unkritisch aufgenommen. Deswegen sollte es nach Wier während der Meditation keine Störungen von außen geben.
Er meint, daß sich dissoziierte Tranceebenen am effektivsten und am sichersten aufrichten lassen, wenn man den tranceerzeugenden Loop in sich erzeugt. Indem man sich auf ein ein Mantra konzentriert oder bei geschlossenen Augen ein Instrument spielt.

3.6 Centrische Trancezustände

Centrische Trancezustände enthalten multiple dissoziierte Tranceebenen, davon kann man in manchen nur schwer den erzeugenden Loop finden. Sie sind sehr komplex und erzeugen eine große Trancestärke.
Dabei gibt es einen Loop in der dissoziierten Ebene, der eine Art Selbsthypnose darstellt, in der die Ich- Bewußtheit völlig involviert ist. Progressives Training des Geistes befähigt manche Individuen starke centrische Trancen zu schaffen, die sie willentlich unterbrechen können.
Starke Persönlichkeiten, mitreissende Menschen, Politiker, Gurus , Heilige, Künstler, Hellseher, selbsternannte Messias, scheinen sehr erfolgreich zu sein diese Art der Trance bewußt oder unbewußt zu produzieren. Diese Kräfte sind so stark, daß sie andere mitreißen oft auch über weite Entfernungen hinweg.
Diese Art von Trance spielt z. B.auch in der Politik und Popkultur eine wichtige Rolle, wo man auf sehr aggressive Art versucht, Menschen für sich zu gewinnen.
Medien, Manager, Promoter, Wahlberater, Fotografen helfen mit, diese anziehenden faszinierenden Kräfte der centrischen Trance zu verstärken, indem sie Material und Bilder liefern, die starke, angenehme Assoziationen hervorrufen, und die die Ausstrahlung bestimmter Personen zusätzlich so in Szene setzen, daß sie noch mehr hypnotische Wirkung auf das umworbenen "Volk"erzielen.

Was mich dabei interessiert ist die Frage warum die Menschen sich gerne auf diese Art hypnotisieren lassen, warum manche Menschen in bestimmten lebensabschnitten Idole brauchen, und was genau auf Massenveranstaltungen passiert, in denen solche Leute zusmmantreffen, sei es ein Rolling Stones-, oder Backstreetboys- Konzert,und was Gemeinsamkeiten und Unterschiede es gibt bezüglich Events wie der Loveparade.
Was finden wir an diesen ekstatischen Erlebnissen in der Gruppe und warum kreieren wir uns mit oder ohne der Hilfe der Massenmedien unseren eigenen Gott, oder Heiligen; eine Art Heiligtum, auf einem Altar, den wir mit Liebe pflegen und das uns hilft duch die Widrigkeiten des Lebens oder der Pubertät zu gelangen. Ein Mensch oder ein Verein wird dabei zum Fetisch, der uns durch seine Anonymität eine ideale Projektionsfläche bietet, da er so weit entfernt ist, daß wir ihn wahrscheinlich niemals wirklich kennenlernen. (vgl. Fußballmannschaften, oder Wrestlingveranstaltungen: Die Guten gegen die Bösen)
Interessant wäre es auch, diese Bindungen unter dem Aspekt des "Übergangsobjektes" wie es in der Psychoanalyse beschrieben wird, zu untersuchen. (vgl. Winnicott 1953)

3.7 Pathologische Tranczustände

Einige schizophrene Psychosen, Gehirnstörungen, und die pathologische Trance scheinen einiges Gemeinsam zu haben: Zwanghafte Wiederholung, Erinnerungslücken, die zu vielerarten von Amnesie führen, einer falsche Wahrnehmung und Erinnerungen und reaktive Wahniddeen, Phantasien und Erklärungen.
Auch die neurotische Unfähigkeit, alte und unvorteilhafte Verhaltensmuster zu durchbrechen sind nach Wier Folgen eines pathologischen Trancezustandes, der dieses repetitiven und zwanghaften Verhaltensweisen hervorruft.
Daher ist es wichtig, so sagt er nicht nur die unbewußten Inhalte herauszufinden und zu interpretieren, sondern auch nach tranceerzeugenden Loops primärer und sekundärer Art zu suchen, die Beschaffenheit der dissoziierten Tranceebene herauszufinden und die Trance Kräfte die durch diese Loops erzeugt werden zu erkennen.
Im Prinzip weist er da darauf hin, das neben den analytischen Methoden vorallem auch verhaltenstherapeutische Ansätze mit einzubeziehen sind, um diese pathologischen Trancezustände, die wir gemeinhin als Phobien, Zwangskrankheiten bezeichnen, außer Gefecht zu setzen.
Wier halt es nicht erstrebenswert, Trancezustände zu erzeugen, die zur Gewohnheit werden oder lange andauern., weil sie das Körpergefühl, Gedächtnis und Urteilsvermögen reduzieren. Andererseits können zeitweilige Trancezustände tatsächlich wichtig für ein intelligente Angepassung an das Leben sein oder der psychischen und physischen Gesundung dienen,

Beispiele: Verdrängung der schrecklichen Erlebnisse im Krieg, gespaltene oder multible Persönlichkeit als Schutzmechanismus gegenüber andauerndem sexuellem Mißbrauch oder Gewalttätigkeit, Folter, Rituelle Bessessenheit , Schamanistische Initiation, spirituelle Krisen)

Ein Teil dieser intensivenTrancezustände sollte aber nicht nur unter dem Aspekt der Pathologie gesehen werden, sondern auch in ihrer Besonderheit und Außergewöhnlichkeit gewürdigt werden (mystische Visionen, Out of Bodyexperiences, ect...)
Dabei sollten sie auch in ihrer therapeutischen selbstheilenden Funktion anerkannt werden, die sich bestimmte Kulturen vorallem außerhalb Europas schon immer nutzbar gemacht haben bzw, sie integriert haben. (vgl.Dittrich, Scharfetter: Ethnopsychotherapie)

Teil 4
4.0 Trance und Bedeutung für das Kollektiv

4.1 Soziale und politische Aspekte

Menschliche Gemeinschaften haben sich schon immer das eingeschränkte soziale Benehmen der Menschen, verursacht durch Trance, nutzbar gemacht: in Form von Gesetzen, Ritualen, Moralvorschriften, Training.
Denn es braucht einfach zu viel kognitive Energie, das Unübliche, das, was herausfällt, zu verstehen. Daher wurde das was gegen die Norm verstößt schon immer bekämpft .
Nach Wier sollten sich die Menschen mehr bewußt darüber werden, wie sehr sie manipuliert und mißbraucht werden, bezüglich dem was Realität ist, was normal ist, was rational oder irrational ist.
Bevor sie immer mehr unkontrollierte Trancezustände schaffen, sollten sie sich lieber erst darum bemühen, aus den alten, krankmachenden Mustern herauszukommen. Es braucht große Anstrengung und Mut diesen starken Kräften zu widerstehen, die uns dazu bewegen z. B. den Fernseher nach der Arbeit anzuschalten, der Mode nachzurennen, ans Telefon zu rennen, wenn es läutet, den Tag zu verplanen und diese Verhaltensweisen zu ändern.
Psychotherapeuten können helfen eingefahrene Angewohnheiten, die zu Leid führen, zu ändern, indem sie die eingeengte Wahrnehmung versuchen zu erweitern und so neue Handlungswege aufzeigen .
Es gibt nach Wier keinen vernünftigen Grund irgendjemanden oder etwas zu vergöttern, in ihm nur das absolut ganz Gute zu sehen, und es als heilbringend zu verehren oder im Gegenteil etwas zu verteufeln, nur Schlechtes in ihm zu sehen. Es sei denn es handelt sich dabei um eine eingeengte Wahrnehmung und den daraus folgenden Projektionen und Halluzinationen.
Weil es sowohl den herschenden wie den beherschten Menschen überfordert, genauer zu differenzieren, flüchten sie sich in vorgegebene Formen der eingeengten Wahrnehmung, wo feste Meinungen bereits vorgegeben sind, die "Welt" bereits geordnet ist, wo Informationen gefiltert werden oder geschönt wird, in Religionen, in Parteien, in Arbeit, in Konsum, zum Fernseher, in (heterosexuelle) Liebesbeziehungen, in Sucht.
Diese soziale Trance beeinhaltet also in sich einen sich selbst aufrechterhaltenden Loop, angefangen beim kranken Individuum, über die leidende Familie, über den Arbeitsplatz, der verloren geht, zur maroden Institutionen, von dort wieder zum Individuum .
Sie schränkt die Wahrnehmung ein, jeder kümmert sich nur um seinen Part und verhindert gleichzeitig Kommunikation.
Kommunikation ist jedoch Gundlage für längerfristiges und reibungsloses Funktionieren eines jeden Systems.

Kommentar

Kein Wunder also, daß die Sozialpädagogen so viel kommunizieren müssen und Andere ständig auffordern müssen zur kommunizieren..
Interessant wäre es, unter diesem Aspekt totalitäre Systeme zu betrachten, in denen die Wahrnehmung der Menschen stark eingeengt wurde, auf bestimmte Dogmen, auf Grenzen, die weder körperlich noch geistig überschritten werden dürften. Die Folgen waren eine unterbrochenen Kommunikation, die große Schäden verursachte, in den Menschen (Angst, und die Folgen: Verantwortungslosigkeit, Grausamkeit, Verrat) und in der Wirtschaft
(z. B. 5- Jahresplan im Kommunismus, verschimmelnde Ernten, hungernde Menschen )

Warum werden Kriege und das was dort passierte und wie es dazu kam wie schlechte LSD Trips beschrieben? Die Brutalität, die Art zu denken und zu handeln, Massen-vergewaltigungen, Massenmorde, Folter...ein Gespenst, das über die Menschen kommt.
Von Deutschland aus erscheint uns das, was in Ex-Jugoslawien passierte völlig unverständlich, es ist nicht rationell zu erfassen, wie und was da passierte: daß Nachbarn
einander folterten und töteten, die vorher friedlich zusammengelebt hatten,( zumindest einigermaßen, aufgrund ihres verehrten Führers Tito und dem Glauben an das System)
Menschen die sich kannten.
Natürlich gibt es immer mal wieder was an unseren Freunden, das wir nicht leiden können und das uns agressiv reagieren läßt, aber was läßt diese manchmal aufunkelnden Gefühle so explodieren daß solch riesige Monster daraus entstehen, die uns die Sicht auf die anderen Aspekte völlig verstellen.
Wenn wir uns aber angucken, was für eine große Rolle im Balkankrieg die Massenmedien. die Propaganda durch das staatliche Fernsehen, das Auftreten und die Beschwörungen der Regierungschefs und die diversen Gerüchte, die in verschiedenen Landesteilen kursierten, spielten, um in den Menschen die Gefühle(Angst, Haß, Neid) zu erzeugen, die diesen schrecklichen Krieg ins laufen brachten, dann müßten wir daraus auf einen veränderten hypnotischen Beußtseinszustand der beteiligten Menschen schließen, ein Trancezustand, der die Wahrnehmung einengte auf `"was ist Deins, was ist meins", auf was ist kroatisch oder serbisch oder bosnisch.
Anstatt sich darauf zu konzentrieren, daß Dinge vermischt zu betrachten sind, sich gegenseitig enthalten und bedingen, wurde aufgespalten in nur Schwarz und nur Weis, das integrierende Prinzip des Ying und Yang löste sich auf in zwei Teile und das Land in seiner Gesamtheit brach auseinander.
Dieser destruktive Mechanismus begleitetuns Menschen durch unsere ganze Geschichte. Die individuelle Form dieser Krankheit äußert sich dabei in psychotischen und narzißtischen Symptomen , und die kollektive Form in totalitären Systemen, in Krieg, in Fanatismus, in Schwarz- Weismalerei.
Auslöser dieses Mechanismus ist die Angst, vor der Zerstörbarkeit, Sinnlosigkeit und Wertlosgkeit, des eigenen Lebens und der Gruppe, in die wir uns flüchten, um uns sicher und stark zu fühlen.
Das was da passiert kann auf der rationellen Ebene vielleicht mit Mühe irgendwie erklärt werden , aber man kann es eigentlich nicht voll gefühlsmäßig nachvollziehen, es wird einem einfach kotzübel dabei.
Von außerhalb kann man die Unmenschlichkeit in Ex- Jugoslawien nicht erfassen oder verstehen, und je mehr wir darüber erfahren, desto mehr schalten wir ab, wir verdrängen es, weil es nicht aushaltbar ist, es würde uns verrückt machen, wenn wir uns dieser Vorkommnisse ständig voll bewußt wären. Wir müssen abwehren, was angesichts dieses Horrortrips aus unserem Unbewußten drängt, lieber umschalten in einen anderenn Kanal- ein menschlicher Schützmechanismus.

Viele Aspekte eines Kriegszustandes deuten auf einen Zustand der Trance hin, wie Wier ihn beschreibt hin, mit all seinen Implikationen bezüglich veränderter geistiger und körperlichen Funktionen: Ein absoluter Ausnahmezustand.
In diesem kollektiven Tranceereignis, konnte und kann Schreckliches passieren, wie ein schlinmmer Film, ein böser Geist, etwas, was sich nur auf der Ebene dieses veränderten Bewußtseins abspielt, und außerhalb davon völlig unverständlich und unfaßbar ist.
Danach will keiner mehr etwas davon wissen, die Taten sind zwar nicht vergessen, Feindschaften sind neu entstanden, die Situatione sind immer noch unsicher, aber die Menschen stürzen sich gerade zu in neue Projekte, in Aufbauarbeit(Wirtschaftswunder in Deutschland) oder feiern ekstatische Feste, Alkohol, Musik, Sex (Bosnien), wenn die Lage eher hoffnungslos ist.(Arbeitslosigkeit, vermintes Land, Verletzte.)
Es scheint wie ein Erwachen zu sein, wie ein schwarzer Nebel, der sich über die Menschen und das Land gelegt hatteund der nun wieder verschwindet, und genauso nebulös ist später auch die Erinnerung an diese Zeit.
Warum aber brauchen wir das?
In Deutschland erzählen alte Menschen erzählen oft, im Krieg sei vieles besser gewesen, die Menschen seien zusammengerückt und hilfsbereiter und offener gewesen, Kriegsveteranen schwelgen in alten Erinnerungen, die mit Kameradschaft, Ehre, Treue, zu tun haben.
Was für ein menschliches Ritual ist es, immer wieder solche Ausnahmezustände zu erzeugen?
Und was bezweckt es? Wie lange können wir uns das noch leisten?

4.2 Organisatorische Bedeutung

"Wie menschliche Systeme brauchen auch Computersysteme, die Wirtschaftssysteme, die biologischen, politische und soziale Systeme klaren, genauen, rechtzeitigen Informationsaustausch, um angemessen funktionieren zu können."
Der Mangel an klarer, genauer und rechtzeitiger Kommunikation zwischen Individuen ist Ursache für Mißverständnisse, Enttäuschungen, und Verletzungen , Resentements und Gewalt." ..
"Je zielstrebiger, engstirniger ein Angestellter die Befehle und Richtlinien seine Organisation ausführt, desto mehr wird dieser Angestellter dafür belohnt, gefördert und respektiert Engstirnigkeit ist auf jedenfall ein Zeichen von Trance und möglicherweise Zeichen einer pathologischen Trance....dies beeinhaltet, daß es immer Bereiche gibt , wo der Angestellte unaufmerksam ist. Deshalb führt Engstirnigkeit, die in vielen großen Institutionen belohnt wird, heutzutage zu längerfristigen organisatorischen Dysfunktionen ."( Wier, S. 99)

Nach Wier sind die meisten Leute ständig in irgendeinem Trancezustand oder damit beschäftigt andere in eine Trance zu bekommen. Danach ist es vorallem die pathologische Trance, nicht die Yogische Trance, die die meiste Zeit unseres Wachbewußtseins bestimmt.
Er geht sogar soweit zu sagen, daß nahezu alle menschlichne Aktivitäten irgendeine Art von Trancezustand beinhalten, wenn man davon ausgeht, daß Trance gleich fixiertes Denken bedeutet.
Im Prinzip ist dann das gesamte Universums und die Welt, so wie wir sie uns erklären, eine Art Trance, die uns das Unvorstellbare, das Ungewisse, das Chaos ordnet und es gibt in uns eine tiefe menschliche Angst davor, dieses Trance geordnete Leben zu verändern und zu durchbrechen.

5. Teil: Beispiele

5.1 Trance am Beispiel von Trommelspielen

"Trommeln wird definiert als eine rhythmische Wiederholung von Sounds auf einem Instrument.
Weil Trommeln "Sound machen" beeinhaltet, ist es somatisch und aural.
Trommeln besteht in einer Wiederholung von Elementen, diese sind zählbar und gehören zu einem limitierten Set (an Schlägen).
Die Trommelschläge sind der tranceerzeugende Loop.
Wenn die Schläge gelernt sind, schweifen die Gedanken ab: Das Bewußtsein dissoziiert und wird zu einem automatischen Bewußtsein, das einerseits die Schläge wiederholt und andererseits in eine zweiten Wahrnehmungsebene führt.
Der "automatische funktionierende Teil"des Bewußtseins schließt cognitive Vorgänge aus, der "dissoziierte Teil" des Bewußtseins schließt körperliche Vorgänge aus.
Ein Teil der zur Verfügung stehenden somatischen Energie wird gebraucht, die Schläge aufrecht zu erhalten, ein Teil der cognitiven Energie wird gebraucht, um den automatischen Ablauf zu erhalten.
Die übrigbleibende somatische Energie kann dabei zu klein werden, um körperliche Wahrnehmung zu erhalten, deswegen können einige Anästhesien auftreten.
Die bleibende cognitive Energie kann nicht ausreichend sein, so daß die cognitive Wahrnehmung vermindert ist und Täuschungen und dadurch Beeinflußbarkeit können auftreten. (...)
Die effektivste Art zu trommeln, um in Trance zu kommen sind Rhythmen die mitreißend, repetitiv, und nicht zu lang sind, so daß man ihnen einfach folgen kann. Einige Rythmen sind effektiver als andere, einige Rhythmen sind effektiver für bestimmte Leute, als andere.
Trommeln besteht -solange es sich nicht nur ein monotoner Beat handelt - aus mehreren tranceerzeugenden Loops.(...)
Wenn man einen der Loops einige Male zugehört hat, wird es zu einer Dissoziation kommen.. Innerhalb des dissoziierten Tranceebene wird man die Schläge weiterhin wahrnehmen, aber in einem dissoziierten Zustand. Wenn sich die Wahrnehmung jetzt auf einen zweiten Loop in dem Spiel konzentriert, entsteht eine zweite verschiedene dissoziierte Ebene.
Bei einem Reggae oder Jazzstück läuft der Beat immer weiter und die Wahrnehmung surft entlang der sich verändernden dissoziierten Tranceebenen. Für jede dissoziierte Tranceebene gibt es eine korrespondierende Trancekraft, und es sind die kombinierten Trancekräfte aller dissoziierten Ebenen, die uns dabei Spaß bereiten". (Wier S. 115)

5.2 Weitere Beispiele :

Langstreckenlaufen,

Treppensteigen und der Trick es ohne bewußte Anstrengung zu schaffen, indem man an was
Anderes, Angenehmes denkt.
Marschieren

Marschieren kombiniert mit Musik oder Trommeln, und /oder Suggestionen durch einen
Drillmeister, dabei ist es möglich hochmotivierte Armeen, gefühllos,
roboterartig, unpersönlich

Tanzen als rhythmische Wiederholung von Schritten, und große und kleine Bewegungen
der Arme, Hände, des Rumpfes und des Kopfes. Dabei können verschiedene
Körperteile gleichzeitig verschiedene Loops erzeugen.

Musik hören: Typische Trance Musik besteht aus Rhythmen und Melodien, die repetitiv sind
und einprägsam und die sich auf langsame Art verändern. Wirbel oder
bestimmte Breaks können dabei triggern oder die Trance unterbrechen.
(wegschießen oder rausschmeißen ) Die vielen dissoziierten Ebenen müssen
zusammenfallen und übereinstimmen.

Singen oder noch besser Singen und ein Instrument spielen( zwei Loops)
Als geeigneter Textform erwähnt
Wier die rhetorischen Patterns der alten Griechen
Epanodos " a is b and b is a"
oder Epistrophe, die häufig auch zur Hypnose verwandt werden kann:

Während du sitzt, schließt du deine Augen,
während du mich ansiehst schließt du deine Augen
während du dich entspannst, schließt du deine Augen,
während du dich zu bewegen versuchst, schließt du deine Augen

Teil 6
Literatur:

D. Wier: "Trance from Magic to technology", 1996, Trans Media, Michi

J.Grinder, R.Bandler: "Therapie in Trance"1981 Klett-Cotta
A. Resch,Hrsg: "Veränderte Bewußtseinszustände"1990 Resch Verlag,

F. D. Goodman: "Ekstase Besessenheit und Dämonen" 1991
"Trancerituale für Jugendliche" Pieper
J. Zehetbauer: "Körpereigene Drogen" 1992
M. Eliade: " Schamanismus und archaische Ekstasetechnik" 1975, Suhrcamp
J. Decorne: "Psychedelischer Neoschamanismus", 199
W. Sterneck,Hrsg: "Cybertribe Visionen",1996 Komista

A.Dittrich, und
Ch. Scharfetter: "Ethnopsychotherapie" 1987 Enke
S. Grof: " Topographie des Unbewußten:
LSD im Dienste der tiefenpsychologischen Forschung " 1978 Klett,Cotta

C. G. Jung: "Der Mensch und seine Symbole " , Gesammelte Werke
"Der Inhalt der Psychose" , "
"Die Beziehung zwischen dem Ich und dem Unbewußten", "

W. Mertens: "Psychoanalyse" 1996, Kohlhammer
E. F. Sharpe: "Traumanalyse" 1937, Fischer
H. Kohut: "Die Heilung des Selbst",1979, suhrkamp
S. Freud: "Massenpsychologie und Ich -Analyse", 1921 Gesammelte Werke
"Die Traumdeutung" 1900 "
"Das Ich und das Es", 1923 "
"Das Unbewußte " 1915 "